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Im Dezember 2008 verpackte ich zwei wunderschöne Foto-Kalender, die ich von einem befreundeten Münchner Fotografen erstanden hatte und freute mich schon darauf, in ein paar Tagen das Deckblatt des mir selbst geschenkten Kalenders "München 2009" umzublättern. Just dabei kam mir der folgende Gedanke: wie wär es, diese tollen Fotografien, die Steffen Rothammel hauptsächlich während privater Reisen einfängt, mit meinen Gedichten zu kombinieren. Viele meiner Gedichte vertragen es gut, mehrfach gelesen zu werden - einen Kalender schaut man sich mehrfach an...
Ich stöberte auf der Internetseite www.glotzen.com und fand sofort in der USA-Reihe Fotografien, denen sich ohne weiteres damals aktuelle Gedichte aus dem Jahr 2008 zuordnen ließen. Ja, die Lyrik warf ein neues Licht auf die Bilder und umgekehrt erhielten auch die Gedichte durch die Fotografien eine neue Geschichte, einen weiteren Aspekt, einen anderen Ausdruck. Mit dieser Erkenntnis wandt ich mich an Steffen mit dem Vorschlag, gleichsam der Bitte, ob er sich eine derartige Kombination mit meinen lyrischen Texten und infolgedessen eine Zusammenarbeit mit mir vorstellen könne.
Zu meiner großen Freude sagte er zu.
Auf den programmatischen Titel "lyrische momente 2010" einigten wir uns rasch und innerhalb weniger Tage im Januar 2009 war der erste Kalender "USA" fertiggestellt. Die Zusammenarbeit lief hauptsächlich via Internet und erfreulich unkompliziert. Bereits im Februar schlug Steffen als nächstes Thema die Marokko-Reihe vor. Ich fand zwar einige passende Gedichte zu meinen Lieblingsbildern, merkte aber bald, dass es hier andere Worte brauchte, so ließ ich mich zwei Wochen lang von Steffens Fotografien, seinen Erzählungen von der Marokko-Reise und meinen Internetrecherchen inspirieren, bis zu insgesamt 15 Fotografien aus "Marokko" ein stimmiger lyrischer Text gefunden war. Die Endauswahl nahm dann ebenso wenig Zeit in Anspruch und schon war der zweite Kalender entstanden.
Auf beiden Seiten gab es großes Interesse an weiterer Zusammenarbeit. Ein "Berlin"-Kalender schwebte uns vor. Im Frühjahr dann bewarb ich mich bei der sächsischen Uhrenmanufaktur NOMOS GLASHÜTTE/SA um eines der begehrten Stipendien, während dessen man im Osterzgebirge in 14tägiger Zurückgezogenheit mit allem Lebens notwendigen (und noch etwas mehr!) versorgt wird und sich der Aufgabe widmet "Glashütte mit der Welt zu verbinden". Für mich war klar, dass es um das Thema ZEIT gehen würde und meine weiteren konzeptionellen Gedanken führten mich zur anthroposophisch fundierten Sichtweise auf ein Menschenleben in Sieben-Jahres-Schritten: 12 Monate hat ein Jahr - 12 mal sieben Lebensphasen ein, zumindest nach meinem persönlichen Empfinden und zeitlich gesehen erfülltes Menschenleben. Steffen würde Portraits zu jeder der 12 möglichen Lebensphasen in seinem Archiv finden - da waren wir uns beide sicher. Erfreulicherweise kam diese Idee auch bei NOMOS gut an. So packte ich also im Sommer 2009 meine fünfmalsieben Sachen und zog für zwei Wochen als Stipendiatin nach Glashütte. Mittels einer Umfrage zum Thema "Was ist für Dich/Sie ZEIT?" unter ganz verschieden alten Menschen unterschiedlicher Herkunft erhielt ich gedanklichen Zündstoff für mehr als vierzig Gedichte und sandte meine favorisierte Auswahl an Steffen, der wiederum schnell mit passablen Fotografien antwortete und: voilá! "menschen(s)zeit" konnte sich sehen lassen...
(Fortsetzung folgt)
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